Im Interview mit Jörg Kraft vom 1. Rendsburger Squash Club 1980 e.V.

Bastian Wildenhues
07.12.2016
Squash in Deutschland - Über die Liebe zu einem tollen Sport und dem 1. Rendsburger Squash Club
Im Interview mit Jörg Kraft vom 1. Rendsburger Squash Club 1980 e.V.

Squash blickt in Deutschland auf eine lange Historie zurück- 1930 eröffnete bereits das erste Deutsche Squashcenter in Berlin. Nachdem der Sport in den 80ger einen wahren Boom in Deutschland erlebte sind heutzutage ca. 11.400 Mitglieder (2015) im Deutschen Sportverband organisiert. Neben dem organisierten Spielbetrieb mit einem Ligensystem bis zur 1. Bundesliga spielen in Deutschland fast 2 Millionen Menschen gelegentlich Squash in den über 1100 Fitness- und Squashcenter. International wird der Sport bei den Herren momentan durch Ägypter dominiert. Unter den Top 10 der Welt, finden sich 7 Ägypter. Simon Rösner ist auf dem 12. Platz Weltweit und somit der 4. beste Europäer. Bei den Damen zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Hier befinden sich in den Top 10, 5 Ägypterinnen.

Mit Olympia hat es leider bisher noch nicht geklappt. Bei der Abstimmung für die Olympischen Spiele entschied man sich Ringen beizubehalten. Doch wie kann Squash für die Zuschauer interessanter gemacht werden? Ein maßgebliches Manko ist der traditionelle Aufbau des Squashcourts. Dieser besteht in der Regel aus 3 Betonwänden und einer Glaswand. Für die wichtigsten Internationalen Turniere werden heutzutage bereits temporäre Glascourts errichtet. Dabei bestehen alle 4 Wände aus Glas. Dies ermöglicht sowohl dem Zuschauer live vor Ort sowie Zuschauer, die sich das Turnier im Internet anschauen, Einblicke, die bei einem traditionellen Court nicht möglich sind. In Deutschland gibt es in Hamburg im Sportwerk seit diesem Jahr einen permanenten Glascourt. Die Anlage dient bereits als Bundesstützpunkt für den Jugendbereich.

120km nördlich von Hamburg befindet sich der 1. Rendsburger Squash Club von 1980 e.V. Wir haben mit Jörg Kraft, Mitglied im Verein über die Entwicklung, Erfolge und Hürden gesprochen.

 

INTERVIEW:

Vereinscheck.de: Hallo Jörg, kannst du uns zunächst dich und deinen Verein vorstellen (wann gegründet, Mitglieder, Sportarten, Mannschaften, wo trainiert Ihr, wie oft)

Jörg Kraft: Mit der Gründung des Clubs im Jahre 1980 folgten eine Reihe sehr ambitionierter und begeisterter Sportler dem Trend, diesen damals neuen Funsport ihrem Bedürfnis, sich in einem Squashverein zu organisieren und im regelmäßigen Spielbetrieb des SHSV Ligaspiele auszutragen. In den Gründungsjahren hatten wir bisweilen fast 60-70 Aktive, die sich regelmäßig an zwei Trainingstagen pro Woche trafen. Nach inzwischen 36 Jahren ist Matthias Frahm immer noch als Gründungsmitglied bei uns aktiv. Außer ihm sind wir noch 15 aktive Vereinsmitglieder, die nicht nur aus der Umgebung Rendsburg´s kommen, sondern z.B. auch aus Heide und aus Kiel. Mit den passiven Mitgliedern kommen bei unseren fröhlichen Treffen leicht 30 Personen zusammen.

Wir treffen uns regelmäßig Dienstagsabends um 18:30 für zwei Stunden zum Training auf 4 Courts im Sportzentrum Westerrönfeld. Oft sind auch internationale Gäste dabei, die meistens von den Schiffen in den Werften am Nordostsee Kanal kommen. Gäste buchen sich über unsere Facebookseite bei uns ein oder kommen spontan dazu. Wir freuen uns immer sehr darüber, weil es einfach Spaß macht immer neue Menschen kennenzulernen.

In unserer Landesligamannschaft sind 7 Spieler gemeldet, die sich je nach Verfügbarkeit zu den Punktspielen der Landesliga SH-HH zu den Spieltagen am Samstag treffen.

 

Vereinscheck.de: Was macht euren Verein besonders? Auf was seid Ihr besonders stolz?

Jörg Kraft: Entgegen der landläufigen Meinung über den wortkargen und kontaktscheuen Norddeutschen pflegen wir einen sehr offenen und fröhlichen Umgang mit allen, die mit uns das tun, was wir am liebsten machen: Spaß haben. Jeder spielt mit jedem, es gibt keinen Dünkel z.B. der Ligamannschaft, wie in manch anderen Vereinen. Zum Abschluß des Trainings wird immer ein Doppel gespielt, in dem die Spielpartner durchgetauscht werden. Das fördert den Zusammenhalt und die gegenseitige Rücksichtnahme enorm.

In Eigeninitiative wurden gemeinsam mit dem Betreiber der Anlage kürzlich zwei Courts grundrenoviert. Weitere Courts sollen bald folgen. Hier ist der Verein mit dem Vorstand sehr engagiert, um die Rahmenbedingungen auch weiterhin attraktiv und auf gutem Niveau zu halten.

Wir konnten den Bundesligaspieler Kai Rixen gewinnen, für uns Trainingstage (für alle Vereinsmitglieder und Gäste)  auszurichten. Als Verbandsjugendtrainer des SHSV ist er dieser Region sehr aktiv und engagiert. Der Verein fördert dieses Training mit finanzieller Unterstützung.

Kurz vor Weihnachten tragen wir traditionell ein Doppel Fun Turnier aus, das immer sehr lustig bis weit in den Abend hinein gefeiert wird.

 

Vereinscheck.de: Was waren für euch aus sportlicher Sicht die Highlights der letzten Jahre?

Jörg Kraft: Zum einen der Aufstieg der Ligamannschaft in die Landesliga SH-HH  2016, die wir über die Relegation geschafft haben.

Zum anderen die Austragung des Rendsburger Einheitsturniers am 3.10. mit insgesamt 20 Spielern aus LL bis BL, die aus ganz SH und aus Hamburg kamen. Das Endspiel des A-Feldes gewann Kai Rixen (BL Spieler bei Stade).

 

Vereinscheck.de: Was sind momentan eure größten Herausforderungen, Probleme und Hürden?

Jörg Kraft: Als sportliche Herausforderung sehen wir derzeit den Klassenerhalt der Ligamannschaft in der Landesliga. Die Vereinsdichte und das Potential an talentierten Spielern ist besonders in Hamburg sehr hoch. Da Schleswig-Holstein einfach zu wenige Squashvereine hat, um einen eigenen vollständigen Ligabetrieb möglich zu machen, sind beide Landesverbände zusammengefasst. Auch logistisch ist das für uns nicht immer einfach, weil wir die Spieltage überwiegend in Hamburg austragen, was dann ja Spieltag ca. 250km Fahrt für die Mannschaft bedeutet. Aber das tun wir gern für unseren Lieblingssport.

Eine besondere Herausforderung ist das fortschreitende Durchschnittsalter der aktiven Squasher. Mit dem steigenden Alter steigt auch die Verletzungshäufigkeit und damit die reduziert sich aktive Teilnahme an allen Veranstaltungen. Leider findet sich nicht annähernd so viel Nachwuchs, wie wir uns das wünschen würden. Um eine kontinuierliche Jugendarbeit anbieten zu können, sind wir leider zu klein. So versuchen wir auf regionalen Veranstaltungen für unseren Sport zu werben und z.B. erwachsene Aktive von Polizei und Marine zum Vereinsbeitritt zu bewegen.

Squash erfährt derzeit eine kleine Renaissance durch die Aufwertung der Anlagen und der Jugendförderung in den Großstädten und Ballungszentren.

Leider ist das in der Fläche, wie in unserem Land, nicht so. Hier schließen immer mehr Anlagen, weil die Betreiber die Flächen profitabler z.B. mit Fitnessangeboten nutzen können. Wir hoffen sehr, dass unser Sport in den Flächenländern diesem Trend nicht zum Opfer fällt. Wir sind froh, wenn wir weiterhin in Westerrönfeld gute Rahmenbedingungen vorfinden, die es auch Anfängern ermöglichen unseren Sport zu erlernen.

 

Vereinscheck.de: Was macht für die die Faszination am Squash aus? Warum sollte jeder einmal Squash ausprobieren?

Jörg Kraft: Squash bietet dem interessierten Anfänger schnelle Erfolgserlebnisse. Selbst bei Fehlschlägen ist der Weg zum ruhenden Ball nicht weit. Reaktionsfähigkeit, Bewegungskoordination, Ausdauer, Spielwitz, Überblick, Taktik und mentale Stärke werden gefordert und gefördert. Zwei Personen auf einen gemeinsamen Termin zu koordinieren ist deutlich leichter, als 22 Mann für ein Fussballspiel zusammenzubekommen. Ein intensiver, erfolgreicher Ballwechsel setzt soviele Endorphine frei, dass man süchtig danach werden kann. Schnellkraft und Ausdauer werden gleichermaßen gefördert. Damit ist Squash eine sehr ausgewogene Sportart, die Körper und Geist ganzheitlich fördert.

Zum Schluß ist das Relaxen in der Sauna oder im Pool der Anlage gemeinsam mit den Vereinskameraden auch eine Zeit, auf die sich jeder freut.

Oder wie Ramy Ashour sagt : "Squashplayers are the better lovers"

Für die "Ausprobierer" ein kleiner Tipp: möglichst mit jemandem beginnen, der schon etwas länger spielt. Das macht mehr Spaß und motiviert zum besser werden. Das geht am besten, wenn man mal als Gast bei einem Vereinstraining mitmacht. Jede und jeder ist da willkommen!

 

Vereinscheck.de: Was würdet Ihr euch von einer Plattform wie Vereinscheck.de wünschen?

Jörg Kraft: Eine weitere gute Möglichkeit, neben der sonstigen Verbandsplattform, für den Erhalt der Vereine und des Sports zu sorgen. Die oft kleinen Vereine können kaum eine aktuelle Homepage administrieren und auch nicht überregional Werbung für den Sport und die Veranstaltungen machen. Jeder weitere Kanal kann auch helfen, Sponsoren für die Vereine zu finden, den Anlagenbetreibern die Perspektive zu bieten, auch weiterhin Squashcourts in gutem Zustand vorzuhalten und interessante Alternativen zu anderen etablierten Sportarten anbieten zu können.

 

Vielen Dank für das Interview Jörg!

Ihr möchtet auch gerne Squash spielen und einen Verein in eurer Nähe finden?

Hier findet ihr Squashvereine in Deutschland

 

Sportliche Grüße,

euer Vereinscheck.de Team

 

 

 

Ihr Browser ist veraltet!

Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um diese Website korrekt darzustellen. Den Browser jetzt aktualisieren

×