Wir stellen vor: Skilanglauf - eine olympische Geschichte

Bastian Wildenhues
26.02.2018
Die Geschichte eines vermissten Langläufers
Wir stellen vor: Skilanglauf - eine olympische Geschichte

 

Sportart - Skilanglauf. Wie ein Kommentator Olympiasieger wurde


Die Olympischen Spiele schreiben immer wieder ihre eigenen Geschichten. Wenn in solch einer kurzen Zeit so viele Sportarten im Fernsehen gezeigt werden, treten auch Randsportarten plötzlich in den Mittelpunkt. Außenseiter treten kurz ins Rampenlicht und genießen den Moment. Einige sorgen für Überraschungen. Andere leben einfach nur den olympischen Gedanken. Dabei sein ist alles. Helden werden geboren und Tragödien spielen sich ab.

 

Manchmal tragen sich auch Geschichten zu, die sich in die Erinnerung eines jeden Einzelnen brennen, auch wenn man später vielleicht den genauen Zusammenhang gar nicht mehr kennt. Wie 1980 bei den olympischen Winterspielen in Lake Placid. Zwei Personen stehen bei dieser Geschichte im Mittelpunkt und erlangen mehr Ruhm, als sie sich vor den Spielen gedacht hätten. Ein damals 59-jähriger Sportreporter und ein 19-jähriger deutscher Nachwuchsathlet.

 

Aber von vorne. Es waren nicht seine ersten Olympischen Spiele. Bereits 1952 in Oslo war Bruno Moravetz vor Ort und berichtete live von den Spielen. Aber diese Winterspiele sollten etwas Besonderes werden. Der 15 Kilometer im Skilanglauf standen an. Die eigentlich einzige spannende Frage war, wer würde heute auf den Punkt etwas besser sein? Der Schwede Thomas Wasserberg oder der Finne Juha Mieto? Die beiden liefen zu dieser Zeit in einer eigenen Welt. Andere Athleten hatten eigentlich keine große Chance. Schon gar nicht das deutsche Team. Einer von Ihnen war ein 19-jähriger Jungspund namens Jochen Behle.

 

Das Rennen begann ohne große Überraschungen. Lediglich die Bildregie ließ etwas zu wünschen übrig, denn die Amerikaner blieben in den meisten Sportarten mit den Fernsehbildern vornehmlich bei den eigenen Athleten und nicht immer dort, wo es gerade spannend war. So auch beim Skilanglauf. So war es auch nicht verwunderlich, dass die kleine Sensation, die sich ereignete, zunächst auch unerkannt blieb. Aber der Assistentin von Bruno Moravetz sprang plötzlich etwas ins Auge. Eine Überraschung bei der ersten Zwischenzeit. Denn dort tauchte plötzlich als schnellster Läufer zu diesem Zeitpunkt weder Wasserberg noch Mieto auf. Nein, die schnellste Zwischenzeit hatte Jochen Behle aufgestellt. Eben jener junge Nachwuchssportler, den keiner auf dem Zettel hatte.

 

Nur zu sehen war er nicht. Die Fernsehbilder zeigten weiterhin herrliche Landschaftsaufnahmen mit amerikanischen Sportlern, die in diesem Rennen keine große Rolle spielen würden. Aber niemand zeigte Behle. Moravetz, Sportreporter mit Leib und Seele, konnte das natürlich gar nicht verstehen. Da führt ein Underdog und niemanden scheint es zu interessieren. „Wo ist Behle?“, fragte er sich. Im Bild war er nicht und auch auf den späteren Zwischenzeiten tauchte er nicht mehr auf. „Wo ist Behle?“, fragte Moravetz daraufhin immer wieder. Live im Fernsehen und eine Nation fieberte mit ihm mit und fragte sich ebenfalls, „Wo ist Behle?“ Auch mir, damals gerade einmal Fünfeinhalb Jahre alt, hat sich diese Frage ins Gehirn gebrannt. Es ist meine allererste Bewusste Erinnerung an die olympischen Spiele. Wie dieser Reporter so eindringlich und beinahe flehend, aber auch voller Spannung ob der tollen Leistung dieses Sportlers immer wieder fragte, „Wo ist Behle?“.

 

Glücklicherweise tauchte Behle später wieder auf. Ich hatte mir damals schon Sorgen gemacht, dass er sich im Wald verlaufen hätte. Hatte er aber nicht. Er wurde Zwölfter. Eine respektable Leistung. Aber bekannt wurde er nicht wegen des 12. Platzes bei seinen ersten olympischen Spielen, sondern wegen eines verzweifelten Sportreporters, über den eine Zeitung titelte: "Der wahre Olympiasieger ist Morawetz."

 

Übrigens sei der Form halber noch erwähnt, dass an jenem Tag Thomas Wasserberg und Juha Mieto beide eine sehr guten Tag hatten und sich Gold und Silber holten. Allerdings nach 15 Kilometern mit gerade einmal einer hunderstel Sekunde Unterschied zu Gunsten von Thomas Wasserberg. Nein, das Rennen hatte eigentlich wirklich keinen anderen Sieger verdient, als Bruno Moravetz.

 

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Skilanglauf-Vereine auf Vereinscheck: Skilanglauf-Vereine finden

Alles Wissenswert dazu (ab wieviel Jahren kann man anfangen, wie viel Zeit und Geld kostet das und vieles mehr) findet ihr bei Tinongo

 

Sportliche Grüße,

Nils von Tinongo & Bastian von Vereinscheck

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